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Die Meinung einer Augenärztin

 

Aus ganzheitlicher, naturmedizinischer Sicht, stellen Augenerkrankungen keine isolierten Erkrankungen des Auges dar, sondern weisen fast immer auf Störungen anderer Organe oder Fehlfunktionen des Körpers hin. Alle Organe im menschlichen Körper stehen in Wechselwirkung miteinander, und so kann das Auge z.B. ein Leitsymptom sein für Rheuma, Kreislaufstörungen, Lebererkrankungen etc. Ganzheitlich arbeitende Augenärzte überweisen nicht selten Patienten z.B. zum Rheumatologen, weil der Befund des Auges nicht etwa auf eine Augenerkrankung, sondern auf eine rheumatische Erkrankung hindeutete. Umgekehrt aber ist es genauso möglich, dass  eine Augenerkrankung wie die gefürchtete Macula Degeneration (AMD – Erkrankung des Netzhautzentrums), z.B. eine Lebererkrankung oder Knieverletzung zur Ursache hat.

Viele chronische Augenkrankheiten, wie auch die Macula Degeneration (AMD), gelten aus schulmedizinischer Sicht trotz modernster Operationsverfahren und medikamentöser Möglichkeiten heutzutage noch immer als unbehandelbar. Doch verschiedene Naturheilverfahren, insbesondere die Augenakupunktur, versprechen nachgewiesenermaßen Hoffnung.

In den achtziger Jahren gab es in Amerika Augenakupunkturstudien, die die Effektivität der Akupunkturbehandlung unterstrichen. Dies wurde auf verschiedenen internationalen Kongressen bestätigt.

 

Wie wirkt Akupunktur eigentlich?

Anders als die westliche Schulmedizin, die sich in der Regel auf die Behandlung einzelner Körperteile konzentriert, will die Akupunktur nicht nur die Symptome einer Krankheit behandeln, sondern versucht zu verstehen, woher eine Krankheit kommt. Wenn ein Patient mit einer Beschwerde zum Arzt geht, dann ist es dessen Aufgabe herauszufinden, wo der Krankheitsherd liegt.

Die Traditionelle Chinesische Medizin geht von der Vorstellung aus, dass, wenn Chi (Lebensenergie) ungehindert durch den Körper fließt, der Mensch gesund ist. Wird das Chi aber gestört, blockiert, gestaut oder befindet sich an bestimmten Körperteilen zu viel oder zu wenig Chi, dann ist der Mensch krank. Die Akupunkturnadeln bewirken, dass Störungen, Unbalancen oder Blockaden beseitigt werden und das Chi wieder in Fluss kommt.

Gemeinhin ist nur die allgemeine Körperakupunktur bekannt, allenfalls noch die Ohrakupunktur, nicht aber, dass es außer dem Mikrosystem Ohr noch zahlreiche weitere Mikrosysteme gibt. Bei einem Mikrosystem wird das Abbild des ganzen Menschen auf einen kleinen Teil des Körpers reduziert, und neben dem Mikrosystem Ohr können z.B. auch die Hand, der Schädel, die Zunge, der Fuß, oder das Knie als Mikrosystem für die Akupunktur verwandt werden.

John Boel, ein dänischer Heilpraktiker, entwickelte eine Akupunkturmethode speziell zur Behandlung chronischer Augenerkrankungen, indem er Elemente aus der klassischen chinesischen Akupunktur mit verschiedenen anderen Akupunktur-Mikrosystemen kombinierte, wonach die Akupunkturpunkte in Augennähe, an Händen und Füßen behandelt werden.

Fast alle Augenerkrankungen sind behandelbar

Nach der Methode von Boel können fast alle Augenerkrankungen wie z.B. Macula Degeneration, Altersfehlsichtigkeit, trockene Augen, Retinitis pigmentosa (Pigmentablagerungen auf der Netzhaut), grüner Star, grauer Star im Anfangsstadium, Augenleiden verursacht  durch Diabetes, Thrombosen etc, behandelt werden. Zwar können diese Augenleiden nicht immer vollständig geheilt werden, sie können aber stark gelindert bzw. ihr Verlauf spürbar verlangsamt werden. Oft kann die vorhandene Sehkraft nicht nur erhalten, sondern sogar noch verbessert werden. Lediglich Kurzsichtigkeit bzw. die Myopie und grauer Star im fortgeschrittenen Stadium sind nicht behandelbar. Hier hilft oft nur noch eine Operation.

Viele Schulmediziner weigern sich wegen der geringen Aussichten auf Heilung oft, bei Patienten, die an Macula Degeneration und grauem Star erkrankt sind, den Star zu operieren. Hier empfiehlt es sich, die Degeneration zunächst mit der Augenakupunktur nach Boel zu behandeln, danach sollte der Operation des Grauen Stars nichts mehr im Wege stehen.

Erstaunlicherweise hängt der Erfolg der Behandlung nach Boel mehr davon ab, wie stark ein Patient auf die Methode anspricht als von der Schwere seiner Augenkrankheit selbst. Bei vielen Patienten ist eine sofortige Reaktion festzustellen, bei anderen dauert es etwas länger, und nur ca. 10 % der Erkrankten reagieren grundsätzlich nicht auf Akupunktur. 

Aus ganzheitlicher Sicht ist es unbedingt erforderlich, weitere unterstützende Maßnahmen einzuleiten. Es kann eine falsche Ernährungsweise gewesen sein, die z.B. für die Funktionsuntüchtigkeit der Netzhaut verantwortlich war. Hier kann die Umstellung auf vollwertige Ernährung weitere Schäden auffangen. Auch hat sich die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, wie Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien als hilfreich erwiesen.  Ausreichende körperliche Bewegung und spezielle Augenübungen unterstützen die Behandlung, und andere Verfahren wie Homöopathie, Isopathie oder Dunkelfeldmikroskopie runden die Therapie ab.

So entsteht ein Ganzheits-Regulationsmodell, das sich nicht nur für die Therapie von Augenerkrankungen eignet, sondern auch allgemein in der Schmerzbehandlung eingesetzt werden kann. 

Doch so ideal diese Methode auch ist, ­ hochwirksam, dabei aber sanft und völlig frei von schädlichen Nebenwirkungen, ­ sie kann einmal zerstörtes Gewebe nicht ersetzen. Daher bestehen die größten Erfolgsaussichten, je früher mit der Therapie begonnen wird.

 

Dr. med. Maria Sandor 
Fachärztin für Augenheilkunde 

 

Quelle: BALANCE® 4/2001